Presse

Gästebuch mit einem Marmorpapier mit Steinmuster
Gästebuch mit einem Marmorpapier mit Steinmuster

Barbara Kelnhofer zeigt und verkauft Marmorierkunst in Staufen / Geschäftsraum eigentlich Heimat der Eisdiele „Kalte Sophie“.

STAUFEN. Die Staufener Marmorier-Künstlerin Barbara Kelnhofer hat einen Pop-up-Laden in der im Winter geschlossenen Eisdiele „Kalte Sophie“ in der Staufener Hauptstraße eröffnet. Bis Jahresende zeigt und verkauft sie dort ihre Werke. Es ist Kelnhofer gelungen, drei weitere Papierkünstlerinnen zu finden, die ihre Produkte ebenfalls dort verkaufen. Nicht nur bei der Staufener Lichternacht am dritten Adventswochenende, sondern an allen Samstagen bis Weihnachten führen die Künstlerinnen abwechselnd ihre Techniken vor und laden zum Mitmachen ein.

Jedes Papier, jedes Buch, jede Karte, einfach alles, was im Laden „Papier, Farbe & Schrift“ angeboten wird, ist selbst hergestellt und ein Unikat. Marmorpapier wurde seit Jahrhunderten beim Buchbinden als Vorsatzpapier eingesetzt, um Bucheinband und Buch zu verbinden. Es gleicht einem Schnitt durch Marmor. Zum Marmorieren, der Jahrhunderte alten Technik der dekorativen Papiere, kam Barbara Kelnhofer über die Buchbinderei und ihre Liebe zu alten Büchern. Von ihrem Großvater, einem Buchbinder, hat sie nicht nur die Liebe zu Büchern, sondern auch ein Buch übers Buchbinden geerbt. In dem hat sie Anleitungen und Rezepte gefunden, wie man das Marmorpapier herstellen kann. Barbara Kelnhofer verkleidet und verziert damit große und kleine Bücher, Mappen und Leporelli. „Ich beschäftige mich seit 30 Jahren mit dieser Technik, intensiv seit etwa zehn Jahren. Seit 2016 gebe ich auch Kurse“, sagt sie.

Zwei der anderen Ausstellerinnen, die Freiburger Künstlerin Uschi Rapp-Körner und Cécile Coyez aus Straßburg, haben im vergangenen Jahr einen Kurs bei ihr besucht und inzwischen eigene handwerklich-künstlerisch gestaltete Gegenstände entwickelt. Cécile Coyez fertigt handgebundene Bücher mit Ledereinband und Marmorpapier. Dabei verwendet sie koptische und japanische Stichbindungen, die sehr schön anzusehen sind. Uschi Rapp-Körner bezieht Schachteln und Bücher mit Marmorpapier. Die vierte im Bunde ist Kalligrafin Susanne Böcherer. Sie zeichnet Schriftkunstbilder mit modernen Elementen.

„Die Idee zum Pop-up-Laden entstand, weil ich meine Sachen ausstellen wollte“, sagt Barbara Kelnhofer. „Ich habe mich dann auf die Suche nach Künstlerinnen gemacht, die meinen Stil ergänzen und bin schnell fündig geworden.“ Es gibt ganz unterschiedliche Marmoriertechniken und genau, das mache die Technik für die 58-Jährige so spannend. Die Technik des Marmorierens kam im 16. Jahrhundert aus Persien und der Türkei über Venedig nach Deutschland. Da beim Marmorieren viele Materialien aufeinandertreffen, spielen sowohl chemische als auch physikalische Prozesse eine Rolle. Zuerst stellt Barbara Kelnhofer den Marmoriergrund aus Algenmoos her, das sie in Wasser aufkocht. Nach dem Abseihen entsteht eine ölige Masse, die genau die richtige Konsistenz – nicht zu dick- und nicht zu dünnflüssig – haben muss, damit sie Träger der Farben sein kann.

Kelnhofer benutzt am liebsten selbst hergestellte Farben aus Erdpigmenten. Man kann ebenso Acrylfarben nutzen oder Ölfarben. Jeden Druck mit seinem ganz speziellen Muster gibt es nur einmal. Für einen Druck verwendet sie drei oder vier Farben, die sie mit Ochsengalle versetzt hat. Die Ochsengalle sorgt dafür, dass sich die Farben nicht vermischen, denn nur so können die einzigartig strukturierten Muster entstehen. Heute kann man die Galle beim Künstlerbedarf kaufen, früher musste man sie im Schlachthof besorgen, erläutert Barbara Kelnhofer. Sie bringt die Farben mit Spritzen, Tupfen oder Sprühen auf und fährt mit Kämmen unterschiedlicher Größe, Nadeln und Ahlen durch die Farbschicht. Dann legt sie ein saugfähiges Papier auf. Wenn sie das Papier abnimmt, ist die Farbe komplett aufs Papier übergegangen, ein Mono-Druck ist entstanden. Anschließend kann sie wieder mit neuen Farben arbeiten und neue Muster fürs nächste Papier gestalten. Wenn das Papier getrocknet ist, wird es geglättet und gewachst. „Ich experimentiere ständig mit neuen Techniken, im Sommer habe ich erstmals mit Stoff gearbeitet, mit altem Leinenstoff. Aus dem marmorierten Stoff habe ich Kissen nähen lassen“, sagt die die gelernte Buchhändlerin und Ethnologin.

Die Teilnehmer ihres Fortgeschrittenen-Kurses lernen sogar, Tigeraugen zu machen, runde Ornamente mitten in der fließenden Marmorstruktur. „In Zukunft möchte ich mich mit dem Thema Design beschäftigen und beispielsweise Tapeten, Lampen und andere Raumdekorationsgegenstände entwickeln. In den USA ist das gerade der Hit“, sagt sie und zeigt einen Artikel aus dem New York Times Style Magazine.

Text von Gabriele Hennicke, Staufen. (Quelle: Badische Zeitung vom 26. November 2018)

ZEITUNGSARTIKEL aus DER SONNTAG vom 5. Juli 2015: Zeitungsartikel010

Barbara Kelnhofer shows and sells marbling art in Staufen / business premises actually home of the ice cream parlour „Kalte Sophie“.

STAUFEN. Barbara Kelnhofer, the Staufen marble artist, has opened a pop-up shop in the ice cream parlour „Kalte Sophie“ in Staufen’s Hauptstraße, which is closed in winter. She shows and sells her works there until the end of the year. Kelnhofer succeeded in finding three more paper artists who also sell their products there. Not only at the Staufener Lichternacht on the third weekend of Advent, but on all Saturdays until Christmas, the artists alternately present their techniques and invite visitors to join in.

Each paper, each book, each card, simply everything which is offered in the shop „paper, color & writing“, is manufactured and an Unikat. For centuries, marbled paper has been used in bookbinding as an endpaper for connecting book covers and books. It resembles a cut through marble. Barbara Kelnhofer came to marbling, the centuries-old technique of decorative paper, through bookbinding and her love of old books. From her grandfather, a bookbinder, she inherited not only her love for books, but also a book about bookbinding. In it she found instructions and recipes on how to make marble paper. Barbara Kelnhofer disguises and decorates large and small books, folders and Leporelli with it. „I have been working with this technique for 30 years, intensively for about ten years. Since 2016 I have also been giving courses,“ she says.

Two of the other exhibitors, the Freiburg artist Uschi Rapp-Körner and Cécile Coyez from Strasbourg, attended a course with her last year and have since developed their own artisan objects. Cécile Coyez produces hand-bound books with leather covers and marbled paper. She uses Coptic and Japanese stitch bindings, which are very beautiful to look at. Uschi Rapp-Körner covers boxes and books with marble paper. The fourth in the group is calligrapher Susanne Böcherer. She draws type art pictures with modern elements.

„The idea for the pop-up shop came about because I wanted to exhibit my things,“ says Barbara Kelnhofer. „Then I started looking for artists to complement my style and quickly found what I was looking for“. There are very different marbling techniques and that’s exactly what makes the technique so exciting for the 58-year-old. The technique of marbling came in the 16th century from Persia and Turkey via Venice to Germany. Since marbling involves many different materials, both chemical and physical processes play a role. First, Barbara Kelnhofer produces the marble base from algae moss, which she boils in water. After straining, an oil-like mass is formed, which must have exactly the right consistency – not too thick and not too thin – so that it can be the carrier of the colours.

Kelnhofer prefers to use his own paints made from earth pigments. You can also use acrylic paints or oil paints. Each print with its very special pattern exists only once. For one print she uses three or four colours, which she has mixed with ox gall. Ox gall ensures that the colours do not mix, because this is the only way to create the uniquely structured patterns. Today, bile can be bought from artists‘ supplies, but Barbara Kelnhofer explains that in the past it had to be obtained from slaughterhouses. She applies the paint by sprinkling, spotting or spraying and drives through the paint layer with combs of different sizes, needles and awls. Then she applies an absorbent paper. When she removes the paper, the ink is completely transferred to the paper, creating a mono print. She can then work with new colors again and create new patterns for the next paper. When the paper has dried, it is smoothed and waxed. „I’m constantly experimenting with new techniques, in summer I worked with fabric for the first time, with old linen fabric. I had cushions sewn from the marbled fabric,“ says the trained bookseller and ethnologist.

The participants of her advanced course even learn to make tiger eyes, round ornaments in the middle of the flowing marble structure. „In the future, I would like to deal with the subject of design and develop wallpapers, lamps and other room decoration objects, for example. It’s a hit in the USA right now,“ she says, showing an article from the New York Times Style Magazine.

Text by Gabriele Hennicke, Staufen. (Source: Badische Zeitung, November 26, 2018)

ZEITUNGSARTIKEL aus DER SONNTAG vom 5. Juli 2015: Zeitungsartikel010